Visitation

 

„Geschwisterlicher Besuch“
in den ev. Kirchengemeinden Dilsberg/Mückenloch
Was bewegt, welche Dinge erfreuen, wo liegen Herausforderungen?
 9. November 2006
 
Alle sieben Jahre finden in den evangelischen Kirchengemeinden Visitationen statt. Visitationen, vom lateinischen visitare – besuchen, dienen dem Zweck der Bestandsaufnahme und gleichzeitig der Zielfestlegung für die Zukunft. Die evangelischen Gemeinden Dilsberg/Mückenloch erhielten dieser Tage einen „geschwisterlichen Besuch“ von Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal, Schuldekanin Barbara Köhrmann, Gottfried Ehrenberg stellvertretender Vorsitzender der Bezirkssynode und Karsten Gallion Bezirksmitglied, die sich einen Überblick über das Gemeindeleben verschafften.
1.Teil mit Vertretern der politischen Gemeinde sowie den beiden Ältestenkreisen
    
Die früher übliche Anfertigung von Berichten und Statistiken wird heutzutage durch Team-Visitationen und Gemeindeversammlungen sowie der externen Wahrnehmung der politischen Gemeinde ersetzt. Unter dem Vorsitz von Dekanin Schneider-Cimbal begutachtete das Gremium zunächst die vorhandenen Gebäude und warf einen prüfenden Blick auf die Buchführung.
  
Anschließend begrüßte Pfarrerin Dr. Monika Zeilfelder-Löffler im Gemeindesaal in Mückenloch die kommunalpolitischen Vertreter sowie die beiden Ältestenkreise zu einer offenen Gesprächsrunde. Die Vorsitzende des Visitationsausschusses war daran interessiert, zu hören was das politische Gemeinde- und Kirchenleben bewegt, welche Dinge erfreuen und wo Herausforderungen warten.
 
Bereits bei der Vorstellung der Teilnehmer kristallisierte sich heraus, dass die Zusammenarbeit sowohl innerhalb der Kirchengemeinde, wie auch außerhalb mit den örtlichen Gremien gut funktioniert.   
Der Dilsberger Ortsvorsteher Stefan Wiltschko erwähnte, dass er sich schriftstellerisch mit der Historie der evangelischen Kirche beschäftigt habe und sein Mückenlocher Amtskollege Rüdiger Freund nannte stellvertretend für die gute Zusammenarbeit, den jährlichen von Ortsverwaltung und Kirchengemeinde gemeinsam veranstalteten Seniorennachmittag. Das jährliche Weihnachtskonzert des ev. Kirchenchors und der Trachtenkapelle Mückenloch mit dem Dilsberger Sängerbund zeugt ebenfalls von einem harmonischen Miteinander. Bürgermeister Stellvertreter Winfried Schimpf empfindet die ringsum angebotenen Predigtreihen als gute Idee und Karin Ullrich-Brox konnte berichten, dass die Gottesdienste im Freien auf dem Dilsberg großen Anklang finden. 
Traurig stimmte die Vorsitzende des Fördervereins Ullrich-Brox, dass sich einige Jugendliche lieber in umliegenden Kirchengemeinden konfirmieren lassen, anstatt am Wohnort. Darin sieht die Dekanin allerdings eine Herausforderung und die Chance ein Kirchenprofil zu entwickeln. Heute entscheide man sich nicht mehr für die Gemeinde am Wohnort, sondern dafür, wo man sich wohl fühlt und etwas geboten wird. Ihrer Meinung nach gilt es Lücken im Angebot zu suchen, um sich zu profilieren, wie beispielsweise durch Gottesdienste im Freien, unterschiedliche Gottesdienstzeiten oder als spezielle Hochzeitskirche.  
Für Ortschaftsrat Joachim Bergsträsser erscheint es wichtiger, Kinder so zu erziehen, dass sie sich überhaupt konfirmieren lassen, wo ist egal. Ein wichtiger Bereich ist für die Pfarrerin die christliche Erziehung in Kindergarten und Schule. Durch ihren Religionsunterricht an der Grundschule hat sie den notwendigen Kontakt zu den Kindern für die notwendige Basisarbeit. Hilfreiche Unterstützung erfährt sie bei der Vorbereitung von Familiengottesdiensten durch zwei Lehrerinnen und durch Chorleiterin Andrea Stegmann.
 
In Zukunft werden zunehmend Kooperationen innerhalb der Kirchengemeinden gefragt sein, so die Dekanin, nach dem Motto: „Was machst du, was machen wir?“  
Der Trend von der Gemeinde vor Ort geht weg, hin zur Gemeinde in der Region. Eine sture Blickrichtung kann nicht überleben, denn die Menschen stimmen mit den Füßen ab.
 Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal dankte für die anregende Diskussion und wünschte den Ortsvorstehern weiter gutes Gelingen.
 

Visitation der evangelischen Kirchengemeinden Dilsberg/Mückenloch
2. + 3. Teil
Treffen der Kirchenältesten
und dem Gemeindebeirat
9. November 2006
 
 
 Nach einer kurzen Pause und einer Stärkung mit lecker belegten Brötchen, welche der Besuchsdienst gerichtet hatte, führte das Visitationsgremium mit den Kirchenältesten sowie dem Gemeindebeirat, welchem alle ehrenamtlich für die Kirche Tätigen angehören, die nächste Gesprächsrunde. Das Gremium zeigte sich beeindruckt vom wunderbaren Funktionsgebäude, welches auf dem Dilsberg neben der Kirche entstanden ist, ebenso wie vom Einbau der neuen Heizungsanlage in der Mückenlocher Kirche.  
„Sie gestalten Kirche mit, wir wollen hören was freut sie und wo benötigen sie unsere Hilfe!“, eröffnete die Dekanin die Vorstellungsrunde. Kirchenälteste Karin Werner bedauerte, dass die Kinder nicht mehr kommen und wollte wissen, wo man ansetzen kann. Obwohl sich vor Ort, durch die gut besuchten Familien- und Einschulungsgottesdienste, ein erfreuliches Bild zeigt, ist für Schuldekanin Köhrmann die Gemeinde gefordert auf die Jugendlichen zuzugehen, doch dafür gibt es kein Rezept sonst würde man es aus dem Ärmel ziehen. Die Dekanin stellte eine Gegenfrage: „Wie viele Jugendliche wurden gefragt beim Bau des Funktionsgebäudes mitzuhelfen? Wie viele Jugendliche wurden um Hilfe beim Brote schmieren oder Christbaum schmücken gebeten?“, ihrer Meinung nach lautet die Frage: „Werde ich gebraucht?“     
Die Leistung der Seniorengruppe beim Bau des neuen Funktionsgebäudes empfand das Gremium als großartig und sagte ein herzliches Dankeschön. Klaus Storch berichtete von Schwierigkeiten durch das Landratsamt, ansonsten wäre das Gebäude bereits fertig aber die Dekanin fand es toll, dass Menschen Wege gefunden haben, um es trotzdem fertig zu stellen. Die Mückenlocher Kirchenältestenvorsitzende Sybille Herbold berichtete erfreut, beim Bau der neuen Heizungsanlage in Mückenloch, der Bürokratie ein Schnäppchen geschlagen zu haben. Die Planungen wurden zwar von einem Fachmann erstellt aber Ausführung und Organisation werden in Eigenregie gemacht. Dadurch konnten die Kosten von 78.000,- € auf 34.000,- € reduziert werden.
  

Auch dafür gab es große Anerkennung. Für Dekanin Schneider-Cimbal ist es eine wichtige Erfahrung, dass man Leute fragen muss, denn mehr wie nein sagen können sie nicht. Sie dankte für die geleistete Arbeit, denn davon lebt die Gemeinde.
 
3. Teil
Gottesdienst und Gemeindeversammlung
12. November 2006
 
Den Abschluss der Visitation bildete am Sonntag der Gottesdienst mit anschließender Gemeindeversammlung. Pfarrerin Dr. Zeilfelder-Löffler stellte der Gemeinde das Visitationsgremium vor, wobei Dekanin Schneider-Cimbal mit Bezirksmitglied Gallion in Dilsberg und Schuldekanin Köhrmann sowie der stellvertretende Vorsitzende der Bezirkssynode Ehrenberg in Mückenloch teilnahmen.
 Der Predigttext aus dem Buch Hiob Kapitel 14,1-6 passe gut in diese Tage, zu Allerheiligen und Totensonntag, wo die Tage kürzer werden, der Nebel sich kaum auflöst und die bunten Blätter trostlos auf dem Boden liegen, so Pfarrerin Zeilfelder-Löffler. Eine Zeit die an den Tod erinnert und unsere eigene Vergänglichkeit. Diese Gefühle hat Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht „Herbst“ treffend beschrieben. Wo wir hinsehen, die Vergänglichkeit begegnet uns überall. Deshalb sollten wir jeden Tag als Zeit annehmen, an der uns Gott überraschen will.
  Am Ende des Gottesdienstes dankte Dekanin Schneider-Cimbal für die herzliche Aufnahme des Visitationsgremiums in der Gemeinde. Sie hätten vieles gesehen was bewegt. Passend zum Monatsspruch: „ Siehe ich mache alles neu!“, sei in der Gemeinde einiges neu geworden, wie das Funktionsgebäude, wofür sie allen Helfern dankte, auch dem Förderverein, dessen Engagement dieses Haus ermöglicht habe. Der Religionsunterricht der Pfarrerin an der Grundschule mache sich bezahlt und die Familiengottesdienste seien gut besucht. Neu ist in diesem Jahr der gemeinsame Konfirmandenunterricht mit Mückenloch, was wohl ein Zukunftsobjekt wird, da es immer weniger Kinder gibt. Um die Herausforderungen der nächsten Jahre zu bewältigen, werden wir uns umstellen müssen, näher zusammenrücken und Wege zur Zusammenarbeit finden, wie bei den Projektangeboten im geistlichen Zentrum in der Klosterkirche Lobenfeld. Innerhalb der beiden Gemeinden wurden gemeinsame Ziele festgelegt. Die Jungschar in Mückenloch, welche 14-tägig donnerstags um 16 Uhr stattfindet, wird auch Dilsberger Jugendlichen angeboten und dafür, nach Abklärung in welcher Zeit und mit welchen Möglichkeiten, die Kindergottesdienste auf dem Dilsberg zusammen mit Mückenlocher Kindern gefeiert. Die Kirchengemeinden müssten sich ein eigenes Profil entwickeln, beispielsweise, da die Dilsberger Kirche bei jungen Paaren zum Heiraten begehrt ist, hin zur Hochzeitskirche. Für die Gestaltung des neuen Weges wünschte sie alles Gute und Gottes Segen.

  
Die anschließende Gemeindeversammlung leitete die Dekanin und bot den Teilnehmern die Möglichkeit miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Vorschlag für unregelmäßige Kirchenbesucher die Liturgie, sozusagen als Fahrplan in schriftlicher Form zu fixieren, soll weiter verfolgt werden, evtl. durch einen Bericht im Gemeindebrief. Zur durchgeführten Umfrage konnte die Dekanin mitteilen, dass der Gemeindebrief einen hohen Stellenwert, die Gottesdienste eine hohe Anerkennung sowie Akzeptanz hätten und die Gemeinde keineswegs an gemeinsamer Freizeitgestaltung sondern an Antworten von Lebensfragen interessiert sei. Weitere Themen die ausführlich erörtert wurden, waren die geringen Gottesdienstbesucher sowie die fehlenden Jugendlichen, das christliche Leben in Amerika und das geistliche Zentrum in Lobenfeld.
 
Visitation
Visitation (von lat. visitare – besuchen) heißt in vielen Gerichts-, Kirchen- und Ordens-Verfassungen der Besuch eines Oberen mit Aufsichtsbefugnis zum Zweck der Bestandsaufnahme und Normenkontrolle.
Evangelische Kirchengemeinden werden vom Superintendenten (Dekan) / von der Superintendentin (Dekanin), katholische Pfarrgemeinden vom Bischof bzw. Weihbischof visitiert. Die meisten Ordensgemeinschaften haben Regional- und Generalobere mit Visitationsvollmacht.
In der Regel geht der Visitation ein Vorbereitungsprozess mit der Anfertigung von Berichten und Statistiken voraus. Neuere Visitationsordnungen können Team-Visitationen und Gemeindeversammlungen als Mittel der Visitation vorsehen. Auch wird häufiger die externe Wahrnehmung der politischen Gemeinde bei einer Visititation erfragt.