Fährfest 2008

Fähre sorgt für lebendigen Neckar
- 75 Jahre im Dienste zweier Ortsteile –

Bis ins Jahr 1495 lassen sich die ersten Hinweise der Neckarüberfahrt zwischen dem Mückenlocher Ortsteil Neckarhäuserhof und dem Neckarsteinacher Stadtteil Neckarhausen, zurückverfolgen. Die einfachen Nachenfähren, welche Jahrhunderte die Menschen übersetzten, wurden im Jahre 1812 von den Wagenfähren abgelöst, womit es möglich war, z.B. die  schweren, mit Bier beladenen Fuhrwerke der ehemaligen Brauerei Wisswesser, über den Neckar zu transportieren. Die derzeitige Jubiläumsfähre, welche im Mai 1933 angeschafft wurde, war bereits die vierte ihrer Art, auf der heute bis zu acht PKW’s, auf einmal  übergesetzt werden können.
Michael Lippschitz aus dem hessischen Neckarhausen hat sich mit großer Leidenschaft mit der Historie dieses wichtigen Transportmittels auseinandergesetzt, welches nicht nur zwei Landkreise, sondern auch zwei Bundesländer miteinander verbindet. Insgesamt konnten die Namen von 27 Fährleuten in den Analen ermittelt werden, wobei besonders zu erwähnen ist, dass  bis zum Jahre 1945 jeweils ein Fährmann an sieben Tagen rund um die Uhr seinen Dienst versah. Dieser übernachtete im Fährhaus auf der badischen Seite und wurde oft mitten in der Nacht von dem lauten Ruf „Fährmann hol über„ , mitten aus dem Schlaf gerissen. Seit 1946 teilen sich jeweils zwei Fährleute im wöchentlichen Wechsel den Fährdienst.
Der  wohl schwärzeste Tag in der langen Geschichte dieser Fährtradition, dürfte wohl der 16.Juni 1992 gewesen sein, als ein kleiner Junge, ein auf der Fähre stehendes Auto startete und in diesem, auf des  Neckars Grund, den Tod fand. Der heute noch aktive Fährmann Achim Landwehr, welcher damals noch verzweifelt versucht hat, das Kind aus dem sinkenden Auto zu retten, wurde fast noch selbst Opfer dieses Rettungsversuchs, hätte ihn nicht ein aufmerksamer Passant in letzter Sekunde  aus dem Wasser gezogen.
Träger dieser, für Bürger, Schüler,  Pendler und Touristen, wichtigen Einrichtung, sind die Stadt Neckargemünd und der Landkreis Bergstraße, die sich die nicht unerheblichen Kosten teilen. Da in den letzten Jahren schon mehrfach die Schließung der Fähre zur Diskussion stand, hat sich im Jahre 2004 ein „Freundeskreis Fähre Neckarhausen – Neckarhäuserhof“ gegründet, der sich zwischenzeitlich zu einem eingetragenen Verein mit 340 Mitgliedern gemausert hat. Dieser rührige Verein hat sich den Erhalt dieser unverzichtbaren Notwendigkeit auf die Fahne geschrieben und kann bis heute mit allerhand Aktivitäten aufwarten, welche zur Attraktivität der Außenanlagen und zum Erhalt des Fährhauses beitragen. Übrigens, Fähre samt Fährhaus stehen seit kurzem unter Denkmalschutz.
Wie in den letzten Jahren, gab es auch dieses Jahr wieder ein zünftiges „Fährfest“, welches am Tag „Leben am Fluss“ sich eines großen Zuspruchs erfreuen durfte. Fährmann Wolfgang Nollert konnte hierbei noch mit einer Überraschung aufwarten, Radfahrer und Fußgänger wurden ausnahmsweise kostenlos übergesetzt und zusätzlich gab es für Kinder und Vierbeiner, noch ein Leckerli als willkommene Zugabe.
Dass der idyllisch gelegene  Neckarhäuserhof auch für Wassersportler ein Eldorado ist, wissen nicht nur die Segler sondern auch die Motorbootfreunde, welche übrigens am Samstag den SWR4 zu Gast hatten, der eine Stunde lang  die Sendung „Daheim im Verein“, von der Bootsanlage sendete.
 
Robert Brenner